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“Prima Vina” - Weimoderation und mehr” nimmt Arbeit auf
Wiesentheid 1997
Nach fast einem Jahr der Vorbereitung, der Suche nach historischen Informationen in Bibliotheken und Archiven, der Einarbeitung in lokale und regionale Geschichte, der Suche nach möglichst authentischen, historischen Kostümen aus dem frühen Mittelalter - der Zeit Karls des Großen, und der Einarbeitung in die Rolle als “Historische Persönlichkeit”, als Edelfräulein Hadeloga vom Schwanberg, nimmt “Prima Vina” die Arbeit auf.
Gäste sollen geführt und unterhalten werden, zum Mitmachen animiert weden und ebenso wie Einheimische von der Region und ihren Produkten begeistert werden.
Kulinarische Weinproben, geologische und naturkundliche Führungen, ein vielseitiges Kinderprogramm, ein anspruchsvolles wie auch interessantes Musikprogramm runden das Programm ab.
Aber das ist noch nicht genug, Prima Vina organisiert auch Betriebsausflüge, vertritt Weingüter auf Messen und übernimmt Moderationen von verschiedenen Veranstaltungen.
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“Vina Infernale” - Weinhumoristisches Frauenensemble
Eichfeld Nov. 2001
Welturaufführung von Vina Infernale in der Kulturscheune Eichfeld. Ein Weinkabarett vom Feinsten - mal ganz anders. Hier werden die Reben lebendig und der Wein spricht zu Ihnen. Der Wein wird unbeschreiblich weiblich.
Das Weinhumoristische Frauenensemble “Vina Infernale” nimmt mit einem Augenzwinkern und kleinen Seitenhieben die hochgelobte Weinsprache der Kenner wörtlich. Üppig, formenreich, elegant, grazil oder blumig, spritzig - nach dieser Bühnenshow weiß man, wovon Kenner von Wein und Frauen sprechen.
Turbulent , Quietschvergnügt präsentieren sich Birgit Rittershofer, Roswitha Schneider und Silvia Kirchhof - drei weinverrückte Powerfrauen - als Silvaner, Domina, Portugieser, Riesling und in den Kostümen vieler anderer Rebsorten. Mal sportlich, mal lassziv, mal hausbacken als Abstauber am Abend oder mystisch, so ist die Welt des Weines. Für den musikalischen Rahmen sorgt, seit Aug. 2004, Joanna Karasiewiecz am Klavier. In atemberaubenden Tempo geht es durch die Show. Der Wein wird Ihnen zuflüstern ...
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Sind Frauen Menschen?
23. Oktober 585.
König Guntram von Burgund, aus dem fränkischen Südreich, beruft die fränkischen Bischöfe zu einer Synode nach Macôn ein. Neben anderen Themen wird auch die Frage behandelt, ob Frauen als Menschen zu bezeichnen seien. Die untergeordnete Stellung der Frau wird nach Ansicht eines Bischofs in der Bibel begründet. Eva, aus der Rippe Adams entstanden, sei eigentlich nicht als Ebenbild Gottes geschaffen. Sie stelle lediglich zusammen mit dem Mann einen vollwertigen Menschen dar.
Außerdem habe sich Eva von der Schlange verführen lassen und sei damit allein schuldig, an der Erbsünde, die nun auf allen Menschen laste. Indirekt sei sie auch für den Tod Christi verantwortlich, weil er für die Vergebung der Sünden gestorben sei.
Der Bischof, der diese These auf der Synode vertritt, wird jedoch von den anderen Geistlichen belehrt. Gott habe bei der Schöpfung Mann und Frau als Menschen geschaffen, und auch Jesus habe, seine Mutter als einen Menschen bezeichnet.
Diese Auffassung ändert jedoch nichts daran, daß Frauen der Zugang zu geistlichen Ämtern verwehrt wird. Letzteres vor allem mit der vermeintlichen Unreinheit der Frau begründet. Auch Nonnen, die im Vergleich zu anderen Frauen ein wesentlich höheres Ansehen genießen, dürfen kein Priesteramt übernehmen.
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Der 85er schlägt alle Rekorde
Die fränkischen Winzer im Glück
Franken, 1185
Außergewöhnlich früh können die Winzer in diesem Jahr Bilanz ziehen - eine rundum positive. Was in diesem Jahr in den Rebgärten an Main und Steigerwald gewachsen ist, verdient die Bezeichnung “Hauptwein”: herrlicher Wein in großen Mengen - die Winzer sind zufrieden. Am 1. August hat die Lese bereits begonnen. Zuckersüß waren die geernteten Trauben. Kein Wunder, denn “anno 1185 ist so eine warme Zeit gewesen, daß um Bamberg und im Franckenland im December, Januar und Hornung die Bäume geblühet sammt den Weinstöcken, die Frücht im Mayen und die Trauben im Augusto zeitig worden.” Selbst die älteren Winzer können sich an ein so frühes Jahr nicht erinnern und hoffen, daß der außergewöhnlich gute Wein dieses Jahres auch außergewöhnliche Preise erzielen wird.
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Neues Gesetz: Die Aufseher kommen
Kontrolleure sollen Wingertsarbeit überwachen
Würzburg, 1745
Guter Wein wächst in gut gepflegten Weinbergen. Dieser Erkenntnis, nach der verantwortungsbewußte Häcker bereits seit “ewigen Zeiten” handeln, hat die fürstbischöfliche Regierung in Würzburg mit einer Verordnung besonderen Nachdruck verliehen.
Um Nachlässigkeiten in der Pflege und Bebauung der Weinberge zu verhindern, haben "Weinbergsbesichtiger", das heißt amtliche Aufseher der Weinberge, ihre Arbeit im Hochstift aufgenommen. Sie sollen überprüfen, “ob die Lagen zur rechten Zeit und recht bebaut, ob beim Schneiden nicht zuviel oder zu wenig genommen, zu bald oder zu langsam aufgeschnitten werde, ob die Häcker beim Hacken, Brachen und Niederziehen den Karst recht führen, das Feld genugsam herumarbeiten und die Fechser sowohl als den tragenden Stock ordentlich pflegen.”
Auf diese Weise soll der Eifer der weinbautreibenden Bevölkerung erhöht und der Stand des Weinbaus in Franken noch weiter verbessert werden.
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Neues Design für Frankenwein
Aktuelle Flaschenform bringt neuen Schwung
Wertheim, 1659
Mit einer neuen Flasche ist Mathis Wenzel aus Wertheim an die Öffentlichkeit getreten. Wenzel, der aus einer alten, seit 1406 in Wertheim beheimateten Glasmacherfamilie stammt, hatten praktische Erwägungen zu dieser Neuerung veranlaßt. Er fertigte die "komode" Flasche für die Reise und füllte sie wie könnte es bei einem Franken anders sein - mit Wein. Brot und Wein waren auf der Wanderung seine Wegzehr.
Ungewohnt, aber ungemein praktisch - mit diesen Worten beschrieb ein Winzer die Wenzel'sche Flasche. Er überlege, ob er nicht in seinem Betrieb in Zukunft zumindest einen Teil der Weine auf “Bocksbeutel”, wie die Flaschen genannt werden, abfüllen solle. Das sei aber nicht zuletzt davon abhängig, wie die Käufer die neue Flasche annehmen würden. Einen Versuch sei es aber gewiß wert.
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Neue Arbeits-“Schutzgesetze”
Söldner arbeiten schlecht
Daniel Stiebar beklagt Mangel an Arbeitskräften
Franken, 1545.
Der Wein ist aus der Wirtschaft des Frankenlandes nicht mehr wegzudenken. 40.000 Hektar vom Fichtelgebirge bis zum Spessart von der Rhön bis zum Steigerwald und bis zum südlichen Jura sind mit Reben bewachsen - Franken gleicht einem einzigen Weingarten. Die wirtschaftliche Lage der Häcker ist den noch nicht rosig. Die alljährlichen Abgaben belasten die Weingärtner sehr. Darüber hinaus ist die Zahl der Fehljahre beträchtlich. "Der Wein gerät nit allzeit; ob ein Jahr wohl geräth, so verdirbt er zwei. So ist es alsdann, bei Glauben, 'vergessen' Brot", erklärte der Würzburger Domherr und Humanist Daniel Stiebar.
Daneben haben die Häcker noch mit anderen Problemen zu kämpfen. Die sorgfältige Bearbeitung der Weinberge bereitet vielen große Schwierigkeiten, “Leutenot”, also ein beträchtlicher Mangel an Arbeitskräften, wird vielerorts beklagt.
Das ist nicht neu, denn bereits Kaiser Karl der Große beorderte Arbeitskräfte aus Niedersachsen nach Franken, um Wälder zur Anlage von Weinbergen zu roden. Die Jahrhundertpost berichtete darüber.
Dazu Daniel Stiebar, der sich auch mit diesem Problem eingehender befaßt hat und die Meinung zahlreicher fränkischer Winzer wiedergibt: “Der Weinbau in Franken fordert viel größere Mühe als anderswo mit Hacken, Brachen, Decken, Düngen, Pfählen und Lesen. Das Land ist nicht so beschaffen, daß es solche ganze Arbeit mit den Inwohnern tun kann. So muß man die Pirger (Fichtelgebirgler), Schwaben und Bayer brauchen, die man nicht genug bezahlen kann und die so schlecht arbeiten, daß man sie eher bezahlen sollte, daß sie aus den Bergen gingen, denn sie darin arbeiteten.”
Die Regierung in Würzburg hofft nun, den Klagen der Häcker über die schlechte Arbeitsmoral der Weinbergsarbeiter durch die Einführung eines Arbeitsnachweises abhelfen zu können. Die Häckerglocke soll in Zukunft jeden Morgen um halb sechs den Beginn der Arbeit signalisieren. Wer dann nicht zum behördlich festgelegten Lohn arbeiten will, wird unter Strafe gestellt.
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Medizin aktuell:
Wein ist gesund
Naturärztin stellt fest: “Frankenwein läßt das Blut aufwallen.”
Würzburg um 1020.
Mit dem Wein befaßt sich Hildegard von Bingen, Naturärztin, Seherin und Autorin in ihrem jüngsten Werk "Causae und Curae". Sie betont seine Rolle im Heilsgeschehen - Noah hat ihn im Zeichen des neuen Bundes als Erster gepflanzt. Sie kennt und nennt die Gefahren, die vom Wein ausgehen, aber auch die heilende, die wohltuende Kraft des Rebensaftes, der “mit seiner guten Wärme und großen Kraft froh macht”.
Wein ist nicht gleich Wein - Hildegard trifft hier grundlegende Unterscheidungen: Der Wein der getreideschweren Ebenen ist für Kranke bekömmlicher als der Hügelwein. Der wiederum ist kostbarer. Außerdem muß zwischen "vinum hunicum" und "vinum francium", also zwischen heimischem und fränkischem Wein unterschieden werden: "Der fränkische und starke Wein läßt das Blut gleichsam aufwallen, und deshalb muß man ihn beim Trinken mit Wasser mischen; aber daß der heimische mit Wasser vermischt werde, ist nicht notwendig, da er von Natur wässerig ist."
Der fränkische Wein, das geht aus dem Urteil der weisen Frau eindeutig hervor, ist ein edler, kräftiger Wein. Und die fränkischen Winzer, deren Produkt hier so hoch gelobt wird, sollten alles dafür tun, den guten Ruf ihres Weines zu erhalten.
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Adeliger Stein-Wein
Würzburg um Anno 1840
Ein prominenter “Winzer” hat bei der Anlage eines neuen Weinberges in der Würzburger Lage “Stein” mitgewirkt. König Ludwig I. von Bayern ließ es sich nicht nehmen, die ersten Reben zu pflanzen. Wahrhaft königlicher Stein-Wein.
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Zusammenschluß der Winzer
Würzburg, 1828
Die fränkischen Winzer haben sich zum ersten "Fränkischen Weinbauverein" zusammengeschlossen. Gemeinsam will man versuchen, in dieser Berufsvertretung die anstehenden Probleme zu lösen.
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Die Franken sind da
Maingebiet, um 520.
Nachdem Chlodwig, der große Frankenkönig, die Alamannen bei Zülpich entscheidend geschlagen hat und seine Söhne sich anschicken, auch die Thüringer aufzureiben, dringen immer mehr merowingische Untertanen von Westen her mainaufwärts vor.
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Großbrand
Kitzingen, 1484
Einem Brand sind am zweiten Pfingsttag große Teile des hiesigen Benediktinerinnenklosters zum Opfer gefallen. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. Das Feuer war aus noch unbekannter Ursache während der Kitzinger Flurprozession, vermutlich im Schlaftrakt des Klosters, ausgebrochen. Es wurde erst spät bemerkt, weil “das fürwitzig Nunnenvolk alles vornen” war, um die Prozession, an der sich das Kloster nicht beteiligt, zu beobachten. Schnell griff der Brand auf die benachbarten Klostergebäude über, weil die Löscharbeiten nur zögernd begannen und teilweise nur widerwillig durchgeführt wurden. Noch ist das ganze Ausmaß des Schadens unbekannt, die Benediktinerinnen sind jedoch entschlossen, schon bald mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Da Brandstiftung nicht auszuschließen ist, wurde eine Sonderkommission zur Untersuchung der Brandursache eingesetzt
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Untersuchungsausschuß stellt fest:
Brand durch Liebe
Leichtsinnige Nonne ließ Kerze brennen - Schaden unbezahlbar
Kitzingen, 1484
Leichtsinn einer Kongretsbewohnerin war Ursache des Feuers, das wie berichtet am zweiten Pfingsttag im Kloster der Benediktinerinnen ausgebrochen war. Es hatte das Schlafhaus der Nonnen, die Abtei, die halbe Kirche, zwei Türme samt Glocken, Hausrat und - wie erst jetzt bekannt wurde - das umfangreiche Archiv und die Bibliothek vernichtet. Zu diesem Ergebnis kam die Sonderkommission, die zur näheren Untersuchung der Brandumstände eingesetzt worden war, weil Brandstiftung zunächst nicht ausgeschlossen werden konnte.
Das Verhältnis zwischen den Bürgern der Stadt und den Benediktinerinnen ist getrübt: Die frommen Frauen gehen nicht nur körperlichen und geistigen Aufgaben nach - das Kitzinger Kloster ist derzeit eines der bedeutendsten Erziehungsstätten für Mädchen aus adeligen Familien - sondern haben als Besitzer erheblicher Ländereien und Weinberge in und um Kitzingen wesentlichen Anteil an der weltlichen Macht. Viele Kitzinger müssen alljährlich den Zehnt und andere zum Teil beträchtliche Abgaben an das Kloster liefern. Verständlich also, daß sie “dem Feuer zu wehren” nicht viel Lust hatten.
Die Kommission untersuchte die Ursache des Brandes, der während der Kitzinger Flurprozession ausgebrochen war. Nach Befragung der Klosterfrauen und der ersten an der Brandstelle anwesenden Feuerwehrmänner konnte der Hergang rekonstruiert werden:
Die Klosterfrau Sabina Schenkin kam offenbar zu spät zur Prozession, an der sich die Konventsbewohnerinnen zwar nicht selbst beteiligten, die jedoch von ihnen mit großer Neugierde beobachtet wurde. Die Schenkin gab zu, sie habe in der Eile in ihrem Zimmer eine Kerze brennen lassen. Das hier entstandene Feuer fand in dem Holzgebäude schnell Nahrung und breitete sich im Nu auch auf andere Trakte des Klosters aus.
Inzwischen hat die Klosterleitung Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen und die schuldige Nonne aus dem Konvent verstoßen. In Klosterkreisen munkelt man, daß Sabina in Kürze Hans Vogt heiraten wird, der die eigentliche Ursache des Klosterbrandes gewesen sein soll: Die Schenkin habe nämlich Hans Vogt, Sohn des Ratsmitglieds Philipp Vogt, einen Kranz für den Hut geschickt und bei der Prozession beobachten wollen, ob ihr Buhle den Kranz auch trage. Dies sei auch der eigentliche Grund für den Ausschluß aus dem Benediktinerinnenkloster.
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Hiobsbotschaft:
Zuviele Weinberge - Politiker ratlos
Winzer müssen sich andere Arbeit suchen
Würzburg, 1780
Die schlechte wirtschaftliche Lage in Franken und die sich verschärfende Armut besonders bei der weinbautreibenden Bevölkerung hat zu einer grundlegenden Richtungsänderung in der Agrarpolitik geführt. Wurde noch vor wenigen Jahren darüber nachgedacht wie dem Rebflächen-Schwund in Franken beizukommen sei, so wird inzwischen in Regierungskreisen erwogen, Gesetze gegen die Neuanlage von Weinbergen zu erlassen. Die Untertanen sollen gezwungen werden, sich neuen, einträglicheren Kulturen zuzuwenden.
Als unsicher erweist sich heute die Weinkultur, die jahrhundertelang die Lebensgrundlage weiter Teile der fränkischen Bevölkerung gebildet hat. Mißernten sind fast an der Tagesordnung - Rebkrankheiten und Schädlinge machen den Häckern ebenso zu schaffen wie die klimatischen Bedingungen, die in Franken, einer geographischen Grenzzone des Weinbaus, unsicher sind.
Spätfröste im Frühjahr können die Aussicht auf eine gute Ernte ebenso zunichte machen wie ein früher Frosteinbruch im Herbst. Statistisch gesehen ist nur jeder sechste Herbst ein erfolgreicher Weinherbst. Und das scheint zu wenig, um den Reichtum des Landes und das Auskommen der Bevölkerung zu sichern.
Solange es nicht gelingt, die im Weinbau anstehenden Probleme in den Griff zu bekommen, muß davon abgeraten werden, diese anfällige Sonderkultur weiter zu fördern.
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Superfaß für einen “Super” Wein
Würzburg, 1684.
Ein besonders kostbares Faß ist in diesem Jahr für die fürstbischöflichen Weinkeller gezimmert worden. Es soll speziell für die Lagerung des 1540ers, des Jahrtausendweins, genutzt werden, Dieser "dürre truckene Sommerwein" war so gut, daß er bis in unsere Zeit hinein hohen Persönlichkeiten und zu besonderen Anlässen kredenzt wird. Schwedenfaß nennen die Würzburger dieses neue Faß, weil der 1540er sogar die Jahre der schwedischen Besetzung nach 1631 überstanden hat.
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Letzte Aktualisierung 06.10.2010
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Experten im Gespräch:
Franken an der Spitze
Reben wie Sand am Meer - Größte Weinregion im Reich
Franken um Anno 1345.
Ganz Franken ist ein einziger Weingarten, ein wahres "Reben-Meer". Dieser Vergleich mit “heimatlichen Bildern” drängt sich den Küstenbewohnern auf Staunend stehen die Gäste aus dem Norden des Deutschen Reiches vor den Rebenhängen, die sich über ganz Franken , vom Fichtelgebirge bis zum Spessart, von der Rhön bis zum Steigerwald und über die Frankenberge hinaus bis zum südlichen Jura erstrecken.
Franken ist inzwischen zum größten deutschen Weinland avanciert, auf rund 40.000 Hektar wachsen Reben. Der Wein - roter und weißer - ist ein ausgesprochenes Volksgetränk, von dem Franken beiderlei Geschlechts täglich beträchtliche Mengen konsumieren.
Kein Wunder, daß Besucher aus weniger weinbauerfahrenen Gebieten Deutschlands nach Franken kommen, um sich hier über die neuesten Entwicklungen im Weinbau zu informieren. Und die fränkischen Häcker nehmen sich - trotz der beträchtlichen Arbeitsbelastung in ihren Weinbergen - gerne die Zeit, den Berufskollegen von der Nordseeküste mit gutem Rat beizustehen.
Die Probleme der Winzer in beiden Gebieten sind verschieden - das konnte nach einem ersten Meinungsaustausch festgestellt werden. Mit den Fragen des Steillagen-Weinbaus brauchen sich die Nordseewinzer nicht auseinanderzusetzen. Das flache Gelände dort ist wesentlich einfacher und kostengünstiger zu bewirtschaften. Einige Häcker sollen bereits eine maschinelle Bearbeitung ins Auge gefaßt haben.
Schwierigkeiten bereitet dagegen der Wind: Windgeschützte, warme Parzellen sind rar, und die Winderosion macht den Winzern Kopfzerbrechen. Mit der Dauerbegrünung der Weingärten hofft man, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Erste Versuche erbrachten durchaus positive Ergebnisse. Den Fluten, die selbst hinter den schützenden Deichen liegende Weinfelder des öfteren überschwemmen, steht man dagegen bislang machtlos gegenüber.
Die Gefahr, sich bei den Weinkäufern gegenseitig Konkurrenz zu machen, sehen fränkische und Nordsee-Winzer nicht: Zu verschieden ist der Geschmack der Weine aus den beiden Regionen. Hierbei spielen weniger die Sorten, als vielmehr die grundverschiedenen Bodenverhältnisse eine Rolle: Die auf den fränkischen Muschelkalk- und Keuperböden gereiften, schweren Weine schmecken kräftiger als die leichteren, auf den Sandböden stehenden Weine der Nordseeküste.
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Pleite im Weinbau
Maingebiet, um 550.
Mit einem großen Mißerfolg endeten die Versuche der ins Maingebiet eingewanderten Franken, die im übrigen Reich wachsenden Reben auch in dieser Region anzusiedeln.
Mit der Anpflanzung von Jungfeldern war bereits im April begonnen worden. Weinfreunde hofften, ihren Wein schon bald im Lande selbst ernten zu können und dadurch von den Lieferungen aus anderen Reichsgebieten unabhängig zu sein. Bald jedoch bereiteten die Maifröste diesen Hoffnungen ein Ende.
Nur wenige Jungpflanzen Überstanden den plötzlichen, unerwarteten Kälteeinbruch. Im harten Winter des folgenden Jahres erfroren weitere Pflanzen, so daß der zuständige Winzermeister nur resigniert feststellen konnte “In Franken ist es unseren Reben zu kalt. Unsere Chance liegt in der Selektion kälteresistenter Setzlinge. Dann könnte aus Mainfranken Weinfranken werden.”
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Superwein!
Winzer schwärmen vom 40er
Würzburg, 1540.
“Der allerrareste und kostbarste Wein in diesem seculo” ist heuer gewachsen. Beim 1540er geraten die fränkischen Häcker in‘s Schwärmen. Seit Menschengedenken hat man dergleichen nicht geerntet, war die einhellige Meinung.
Während des ganzen Sommers hatte man um die Ernte gebangt, denn mehrere Wochen lang war kein Regen gefallen. An manchen Orten gab es demzufolge mehr Wein als Wasser. Die Hitze war so groß, der Herbst so zeitig, daß manche Rebstöcke zweimal (!) reife Trauben erbrachten.
Die Weinlese hatte nämlich schon im August begonnen. Die vertrockneten Trauben wurden dabei hängen gelassen. Sie quollen später im Regen wieder auf, und die Winzer konnten zum zweiten Mal herbsten. Der zweite Wein soll sogar noch besser gewesen sein als der erste. Ein Jahrtausendwein!
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4000 Gulden für nichts
Was im Kleingedruckten stand und die Laune verdarb
WÜRZBURG 1397
König Wenzel IV. (1361 bis 1419) war ein Schlawiner. Hat sich 1397 von den Würzburgern 4000 Gulden - sehr viel Geld - in die Hand drücken lassen, um sie dafür aus der Herrschaft des Bischofs in die Reichsfreiheit zu entlassen. War das eine Freude: Würzburg wird Reichsstadt!
Aber ach, die Bürger hatten das Kleingedruckte nicht gelesen. Da stand in der Pergament-Urkunde vom 13. Oktober 1397, sie seien „eynem bischoff von Wirczpurg" schuldig alle Rechte, „die er von alders von rechtes und guter gewonheit hat."
Es war nur eine aus einer ganzen Serien von Niederlagen. Bischof Gerhard von Schwarzburg saß am längeren Hebel. So baten die Würzburger Papst Alexander IV, zwischen 1389 und 1395 erfolglos um die Zusicherung, nicht vor auswärtige Gerichte gezerrt und keinem Interdikt unterworfen zu werden. Interdikte verboten den Bürgern, Gottesdienste zu feiern und religiösen Verpflichtungen nachzugehen - eine infame und grausame Strafe in einer Zeit, in der Leben und Glauben eins waren.
Nichts wurde besser, vieles wurde schlimmer.
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Unser Kommentar:
Klasse statt Masse
Um Anno 1750
Klasse statt Masse in den Weinbergen - so will es die Regierung und wartet gleich mit einem Bündel von Gesetzen auf:
Die Massenträger wie Lemberger, Elbling und Trollinger dürfen in Zukunft nicht mehr angepflanzt werden. Schwächer tragende, dafür qualitativ höhere Sorten wie Traminer und Riesling sollen an ihre Stelle treten.
Die Weine sollen sortenrein und - sicherlich ein Novum - nach Markungen und Lagen getrennt ausgebaut werden.
Amtliche Aufseher, die sogenannten Weinbergsbesichtiger, überwachen die Pflege der Weinberge und die sorgfältige Durchführung der Arbeiten am Rebstock.
Das Streben nach mehr Qualität ist sicherlich ein löbliches Unterfangen. Der kritische Beobachter muß sich aber die Frage stellen, ob es mit Vorschriften dieser Art allein getan ist. Oder ob das eigentliche Problem nicht viel tiefer, in den im fränkischen Weinbau herrschenden sozialen Verhältnissen liegt.
Weinbau in Franken - das bedeutet seit jeher das Vorherrschen des Kleinbetriebes. Das bedeutet auch in den meisten Jahren, daß die Häcker gerade nur ihr Dasein fristen können und am Rande des Existenzminimums leben. Zu bedrückend sind nämlich die Belastungen und Abgaben, die die Weingärtner leisten müssen
Für die Häcker bleibt nach Zahlung von Bet, Zehnt, Gülle und Wachszins, um nur einige der Abgaben zu nennen, oft kaum genug, um sich und die ebenfalls hart arbeitende Familie zu ernähren. Da es bei den Naturalabgaben auf die Menge, nicht jedoch auf die Güte des abgelieferten Produktes ankommt, ist es nur allzu verständlich, daß die geplagten Winzer kein Interesse am Anbau qualitativ hochwertiger, aber geringtragender Sorten haben - eine Anbaupolitik, die vor allem den Grundbesitzern zugute käme.
Wenn die zweifelsohne richtige, qualitätsorientierte Gesetzgebung erfolgreich sein soll, muß eine Reihe flankierender Maßnahmen beschlossen und durchgeführt werden - zum Wohl des fränkischen Weinbaus der weinbautreibenden Bevölkerung.
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Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser
Würzburg, 1751.
Um der weitverbreiteten Weinschmiererei und - Panscherei ein Ende zu bereiten, wurden in diesem Jahr erstmals im Hochstift Würzburg amtliche Weinkontrolleure eingesetzt. Die Regierung zog damit die Konsequenz aus der dem Ruf des Frankenweins schädlichen “Weinbereitungspraxis” mancher Winzer und hofft die “greulichen Zustände” in diesen Kellern zu beenden.
Die Behandlung der Weine mit Zusatzstoffen ist vielerorts an der Tagesordnung. Wasser, Würzwerk, Süßungs- und andere, der Bekömmlichkeit des Weines und der Gesundheit der Trinker nicht immer zuträgliche Mittel werden dem Wein zugesetzt, um höhere Erlöse zu erzielen. Selbst das im Juli 1747 erlassene verschärfte "Verbot des Wein- oder Mostbrauens und Anschmierens", das bei wiederholten Verstößen schwere Strafen Vorsieht, blieb bislang ohne großen Erfolg, da eine wirksame Kontrolle nicht durchgeführt wurde.
Die in diesem Jahr erstmals für sämtliche Keller des Hochstifts angeordnete "Generalweinvisitation" brachte wenig Erfreuliches ans Tageslicht. Mehrfach wurden Häcker wegen der von ihnen angewandten unerlaubten Weinbehandlungsmethoden mit empfindlichen Geldstrafen und Konfiskationen belegt.
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Missionare müssen Meßwein schleppen
Franken, 650.
Mit ungeahnten und ungewöhnlichen Problemen haben die frommen Männer zu kämpfen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die fränkische Bevölkerung zum christlichen Glauben zu bekehren.
Wanderbischof Kilian, der sich mit seinen Mitarbeitern Totnan und Kolonat derzeit in Franken aufhält, berichtete, daß sie gezwungen seien, den Meßwein immer mit sich zu tragen, da Wein in Franken noch nicht bekannt sei.
Der Bischof äußerte sich jedoch zuversichtlich, daß sowohl Christentum als auch Weinbau in Franken in Kürze größere Verbreitung finden werden.
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Klöster lösen Meßweinproblem:
Adelheid auf den Spuren ihres Bruders
Kleinochsenfurt und Kitzingen, um 750
Erst vor kurzem sind die Grundsteine für die beiden Klöster gelegt worden, und schon haben die Bewohner - Angehörige des Benediktinerordens - ihre Arbeit für den christlichen Glauben und für den Wein aufgenommen. Das war dringend nötig, denn der Rebensaft wird als Meßwein für die Eucharistiefeier gebraucht.
Unter der Leitung der Vorsteherinnen der Klöster, Thekla und Adelheid, wurde nun mit der Anlage von Weinbergen begonnen. Dadurch sollen die Versorgungsprobleme, mit denen noch Kilian, Totnan und Kolonat bei ihren ersten Christianisierungs-Versuchen im Frankenland zu kämpfen hatten endgültig gelöst werden.
Förderung des Weinbaus ist in der Familie Adelheids offenbar inzwischen zur guten Tradition geworden: Adelheid, vielen auch unter dem Namen Hadeloga bekannte ist die Schwester König Karl dem Großen, der sich bereits andernorts um den Weinbau verdient gemacht hat.
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