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Forst-Sachverständigenbüro Rittershofer, Wiesbaden

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Wiesentheid

Wiesentheid - ein barockes Residenzstädtchen zwischen Main und Steigerwald

Fachwerk-Romantik findet man in Wiesentheid kaum. Im ehemaligen Residenz-Ort dominieren Barock und Rokoko.

Wiesentheid mit seiner verkehrsgünstige Lage an der Autobahn 3 zwischen Würzburg und Nürnberg ist ein bedeutender Standort für Industrie, Handel und Gewerbe. Mit den Industrieansiedlungen hielt auch die übrige Infrastruktur Schritt.

Der Ort hat darüber hinaus aber noch anderes zu bieten:

Die Grafen von Schönborn haben Anfang des 18. Jahrhunderts Wiesentheid zu ihrer Residenz ausgebaut. Sie bauten die wichtigsten Straßen ausgesprochen großzügig  aus um die eigene Macht und Größe zu repräsentieren. Durch die rege Bautätigkeit unterscheidet sich Wiesentheids Ortskern grundlegend von den umliegenden Orten. Fachwerkhäuser sucht man hier weitgehend vergebens. Es dominieren Barock- und Rokoko-Fassaden.

Die St.-Mauritius-Kirche (Bild) ist nach Entwürfen von Balthasar Neumann gebaut. Davor steht das historische Pfarrhaus in dem heute die Bücherei und ein kleiner Festsaal untergebracht sind und daneben steht das neue Pfarrhaus (im Hintergrund des Bildes).

Gegenüber dem sogenannten “Fuchsbau” des Schlosses befand sich einst das Zentrum des Ortes. Wo heute der Verkehr ein kleine Engstelle passiert, stand das alte Rathaus.

Am Marienplatz findet man ein Beispiel privater Initiative: Die Mariensäule, vor 40 Jahren ihres historischen Umfeldes beraubt, zeigt sich nahezu wieder in der alten Gestalt. Maria Geyer, alteingesessene Geschäftsfrau und Anwohnerin, hat dafür gesorgt, dass die seinerzeit abmontierten Kandelaber nachgebaut und wieder aufgestellt wurden.

Ebenfalls am Marienplatz befindet sich ein “Sorgenkind” des Ortes: das Templerhaus. Das historische Gebäude mit der gotischen Fasade war lange Jahre das Armenhaus der Gemeinde. Es versteckt sich ein wenig, hinter einer Toreinfahrt und harrt der Restaurierung.

 

Die Mariensäule von Wiesentheid

Im März des Jahres 1859 begann der Bau der Mariensäule. Ursprünglich befand sich auf dem Platz ein Tränkbrunnen, der in der Zwischenzeit zugeschüttet worden war. Daher war der Baugrund ungünstig, d.h. zu feucht. Aus diesem Grunde mußte der damalige Wiesentheider Baumeister Lehnbeuter in mehr als 12 Fuß (ca. 4 m) Tiefe einen Pfahlrost aus mächtigen Eichenbohlen verlegen. Am 23. März 1859 wurde dann auf diese Unterkonstruktion ein ca. 100 Zentner schwerer Sockelstein aus Haßfurt gelegt, der somit das eigentliche Fundament für die Mariensäule ist.

Bereits knapp 5 Monate später, am 6. August 1859 des gleichen Jahres, wurde das Marienstandbild nach Wiesentheid gebracht und vorläufig in der Pfarrkirche Sankt Mauritius aufgestellt. Bischof Georg Anton von Stahl weihte dann in einer Feier mit 8000 Gläubigen aus nah und fern am Fest Maria Himmelfahrt (15. August 1859) die von dem bekannten Künstler C. von Heideloff (königlicher Professor und Konservator) entworfene und gebaute Mariensäule ein. In den folgenden sieben Jahren wurde die Anlage vollendet. Nach und nach kamen zuerst die Kniesteinumfassung, dann das Eisengitter und zum Schluß die vier Kandelaber (über 4,20 m hohe, reich verzierte, gußeiserne Leuchten, hinzu. Die damaligen Kosten beliefen sich auf ca. 5400 fl und wurden durch freiwillige Spenden erbracht. Diese “Florin”, auch”Silbergulden” genannt, waren die vom 16. bis ins 19. Jahrhundert in Deutschland und den angrenzenden Ländern gebräuchliche Währung. Nach heutigem Wert ergibt diese Summe einen Anschaffungspreis von ca. 432.000,- DM.

Im Jahre 1959 wurden leider diese Kandelaber und das Gitter entfernt, so dass seitdem das komplette Erscheinungsbildung der Mariensäule zerstört ist.

Nach jahrelangem Bemühen und Dank der tatkräftigen Mithilfe einiger Wiesentheider Bürgerinnen, konnte im Jahr 1994 das Gitter wieder erneuert werden. Die in der Zwischenzeit gegründete Interessengemeinschaft zur Erhaltung der historischen Mariensäule Wiesentheid hat im Jahr 1999, zum 140jährigen Bestehen, die vier Kandelaber nacharbeiten und auf die vorhandenen Sandsteinsockel wieder aufstellen lassen. Die hierbei entstandenen Kosten in Höhe von 120.000,- DM wurden aus einem Vermächtnis, Zuschüssen und Spenden finanziert.

 

Das Templerhaus - früher Stätte der Armenfürsorge

Vom Marienplatz aus muss man schon genau hinsehen, um das Templerhaus zu entdecken. Hinter einer Toreinfahrt verbirgt sich der dreigeschossige Bau mit dem gotisch geschweiften Giebeln. Es wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts erbaut und diente bis 1680 als Amtshaus des Deutschen Ritterordens. Bedeutung erlangte es vor allem als Armenhaus der Gemeinde.

Die Gründung der Orts-Armenstiftung geht auf einen Erlass des Grafen Hugo Damian von Schönborn aus dem Jahre 1775 zurück. Das Grundvermögen der Stiftung bestand in Äckern, Wiesen und Holzlaubrechten und dem Armenhaus mit Scheune und Hausgarten.

Vor der Unterbringung im Templerhaus hatte das Armenhaus im damaligen Anwesen Nr. 103 in der Neustadt seinen Sitz. 1840 wurde das Gebäude von, Gemeinde verkauft. Als Ersatz wurde schließlich im Jahre 1841 das Templerhaus, auch “Sickenberg‘sches Haus” genannt, angekauft. Sickenberg, der Besitzer, schenkte ein Zehntel des Verkaufserlöses der Armenpflege.

Die Gemeinde ließ das Haus, zu dem auch ein Hausgärtchen, das dem Hausvater zur Benutzung überlassen wurde, und eine Scheune gehörten, die zugunsten der Armenpflege vermietet wurde, nach dem Kauf instand setzen

 

Die doppelte Apotheke

Am Marienplatz stehen sie dicht beieinander: die alte und die neue Apotheke, wobei das historische Gebäude als eines der schönsten bürgerlichen Bauten Frankens gilt

Am Wiesentheider Marienplatz gibt es einige schmucke Gebäude. Der markante, zweigeschossige Rokokobau der alten Apotheke, der um 1750 erbaut wurde, fällt einem aber sofort ins Auge. Die Fassade besticht durch die beschwingtenstuckreichen Formen. Das Gebäude wird durch ein Dach mit Mansarden-Giebeln gekrönt.

Medikamente gibt es in dem historischen Bau jedoch seit 1995 nicht mehr zu kaufen. Der Inhaber der Apotheker in Wiesentheid, hatte 1993 das Nachbargrundstück neben der alten Apotheke erworben. Dort hat er ein modernes, aber dem Stil der historschen Apotheke angepasstes Gebäude angebaut. Der Grundriss und Dachform lassen die neue Apotheke als die jüngere Schwester des historischen Vorbilds erscheinen.

Schon vor Errichtung des Rokoko-Hauses hat es in Wiesentheid eine Apotheke gegeben. Sie würde im Jahr 1725 gegründet. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten die nötigen Arzneien sowohl für die Herrschaft als auch für die Bevölkerung in den Apotheken von Prichsenstadt (seit 1682) und von Rüdenhausen (gegründet 1696) besorgt werden.

Diese missliche Situation mag wohl den damals regierenden Grafen Rudolf Franz Erwein von Schönborn bewogen haben, zunächst in seinem Schloss zu Wiesentheid eine Apotheke einzurichten. Mit der Eröffnung der Wiesentheider Apotheke kam es auch zu einem wirtschaftlichen Problem: Die Apotheken in Rüdenhausen und Prichsenstadt waren jeweils nur drei Kilometer entfernt. Diese Konkurrenz-Situation war wohl ein Grund für den häufigen Wechsel der Wiesentheider Hofapotheker, das Fehlen eines eigenen Apotheken-Gebäudes ein anderer. Wahrscheinlich entschloss sich der Graf deshalb um 1750, außerhalb des Schlosses, am heutigen Marienplatz, eine Apotheke zu errichten.

Mit einem kleinen Augenzwinkern sei hier angemerkt, daß zwischen 1853 und 1857 in diesem Gebäude auch eine Postexpedition untergebracht war. Möglicherweise war dies Vorbild für die Deutsche Post AG, die auch heute wieder ihre Agenturen in kleinen Geschäften anzusiedeln versucht.

Der Brückenheilige Nepomuk

Aufstellen des Kirchweihbaumes mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr in der Abenddämmerung

Aufzug der Bürger und der Bürgerwehr vor dem Rathaus

 

Letzte Aktualisierung 06.10.2010

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